Da bin ich nun wieder in Indonesien. Noch vor Mitternacht bin ich zu Hause angekommen. Die Strassen waren überfüllt mit Menschen. Das hatte etwas von einer Fanmeile wie bei der Fussball WM 06.
Aber kurz zurück gespult zu dem letzten Tag in Langkawi: Die Fahrkarte für die Fähre nach Festland Malaysia habe ich bereits am Freitag gekauft und den Rest des Tages am Strand vor meinem Hotel verbracht. Am nächsten Tag ging es dann los. Eine ca. 12 Stunden Zugfahrt stand mir bevor. Wie auch die Hinfahrt nach Penang, war diese Fahrt nach Kuala Lumpur eine ziemlich holprige Angelegenheit, so dass ich kaum schlafen konnte.
Als der Zug dann um morgens 5.30 Uhr in Kuala Lumpur eingerollt ist, habe ich mich auch gleich auf dem Weg zum Bus gemacht. Der Busterminal Puduraya ist ca. 20 Minuten entfernt vom Hauptbahnhof.
Der Bus nach Singapur war schon bereits verspätet. Also musste ich mal wieder warten. Aus meinem Vorhaben nach Singapur zu fahren wurde aber leider nichts, weil unterwegs ein großes Mischgeschick geschah.
Um es ganz schnell zu erklären: Gegen Mittag haben wir die Passkontrolle erreicht. Normalerweise läuft es dann so ab, dass man kurz aussteigt, seinen Stempel in dem Pass bekommt und dann weiter mit dem Bus nach Singapur reinfährt. Also bin ich aus dem Bus ausgestiegen und zur Passkontrolle gegangen. Als ich die Kontrolle passiert habe, habe ich Mitreisende aus unserem Bus mit ihren Taschen gesehen. Das hat mich schon stutzig gemacht, dachte mir aber nichts besonderes dabei. Der Bus sollte jeden Moment vorfahren und uns Passagiere wieder aufnehmen. Dem war aber nicht so. Ich habe dann einige Leute angesprochen warum sie ihre Taschen dabei hätten. Es stellte sich heraus, dass der Busfahrer auf Grund eines angeblich defekten Nummernschildes kurz weggefahren ist und in ca. 20 Minuten wiederkommen wollte. Als ich das gehört habe, lief mir der kalte Schauer den Rücken runter. Meine Taschen waren nämlich in dem Bus und ich hatte die Vermutung, dass ich den Bus an dem heutigen Tage nicht mehr sehen werde. Alhamdulillah hatte ich meinen Reisepass und Kreditkarte bei mir. Allerdings waren in der Reistasche meine ganzen Klamotten und in dem Rucksack Fotoapparat und die Videokamera.
Andere Fahrgäste traf das gleiche Schicksal. Völlig ratlos, wendeten wir uns an die Beamten von der Passkontrolle, die uns aber nicht weiterhelfen konnten. Nach stundenlangem Warten hat jemand die Geduld verloren und rief die Polizei an. Er konnte sämtliche Details, wie zB. Busunternehmen, Aussehen des Fahrers und Nummernschild des Buses den Polizisten weitergeben. Es hat auch nicht lange gedauert bis der erste Polizeiwagen eingetroffen ist. Man hatte sich dazu entschieden einige von uns auf das Polizeirevier zu bringen, um dort ein Protokoll anfertigen zu lassen.
Als wir bei der Hauptwache waren, hatte man den Bus bereits gefunden. Nun musste noch entschieden werden wie die Taschen wieder zu den Eigentümern gelangen sollten. Ich wollte eigentlich sofort losfahren, aber es hieß, ein anderer Bus hätte schon die Taschen übernommen und bringt sie zu unserem Standort an der Passkontrolle. Ich habe noch darauf hingewiesen, dass mein Rucksack nicht unten im Bus ist, sondern sich über meinen Sitz im Bus befindet. Das wurde auch so weitergegeben und sollte kein Problem sein.
Plötzlich sollte ich aber alleine zu einem anderen Busterminal ca. 50 km entfernt von der Passkontrolle gebracht werden, um dort meine Taschen in Empfang zu nehmen. Also musste schnell ein Fahrzeug organisiert werden. Der Polizist ist auch im Eiltempo über die Strassen gefegt. Als wir angekommen sind, habe ich aber nur eine Tasche bekommen. Der Rucksack war immer noch nicht da. Deshalb war meine Geduld langsam am Ende und wollte umgehend mit dem Busfahrer sprechen, der die Tasche gebracht hat. Der wiederum konnte mir nur die Auskunft geben, er habe nur diese Tasche bekommen. Ich konnte auch mit dem Busfahrer, der uns an der Passkontrolle alleine gelassen hat, telefonieren. Er war auch der Meinung, dass nur eine Tasche in dem Bus war. Ich habe ihm aber mehrmals gesagt, dass meine Tasche über meinem Sitz war. Nachdem er das vehement abgestritten hat, wollte ich wissen wo er sich befindet, damit ich sofort zu ihm hinfahren kann und den Bus durchsuchen kann. Er sei schon unterwegs nach KL und würde gegen 21.00 Uhr ankommen. Also wollte ich mich umgehend auf dem Weg machen, nur fuhr der nächste Bus nach KL erst gegen 19,30 Uhr und würde in der Nacht ankommen. Ich habe mich dann kurzer Hand dazu entschlossen nicht nach Singapur zu fahren, weil der Rucksack mir wichtiger war.
Spät in der Nacht bin ich in KL angekommen. Mir war natürlich klar, dass ich den Bus zu dieser Zeit auffinden kann, so dass ich in das nächstbeste Hotel abgestiegen bin. Nach ca. 2 stunden Schlaf war es bereits 6 Uhr morgens und meine Gedanken waren nur bei meinem Rucksack. Also bin ich zum Busterminal gegangen und habe erstmal das Busunternehmen aufgesucht. Dort hatte man alle Schuld von sich weisen wollen, auch auf meinen Einwand, dass uns der Busfahrer nicht nach Singapur gefahren hat, konnte man keine passende Antwort geben. Mir wurde nur gesagt, ich solle warten bis der Bus ankommt. Das Problem war aber, dass er aus Singapur kommt und man nicht wisse wann genau.
Ich sollte also mal wieder nur warten. Damit habe ich mich nicht abgefunden, so dass ich die deutsche Botschaft aufgesucht habe, in der Hoffnung hier wenigstens vernünftige Antworten zu bekommen. Auch wenn es nur nützliche Ratschläge sein sollten. Mir wurde gesagt, ich solle nochmals zur Polizei gehen und ein Protokoll anfertigen lassen. Ausserdem wurden mir noch andere Hinweise gegeben wie ich an Bargeld herankommen würde.
Nach diesen Auskünften, bin ich nochmals zum Busterminal gegangen und habe dort nach dem Bus gesucht. Ich habe diesmal denjenigen gefunden, der tagszuvor die Tickets im Bus kontrolliert hat. Der musste also wissen wo sich der Bus befindet und wann er in KL ankommt. Von ihm habe ich aber auch keine besseren Informationen bekommen, alles nur vage Zeitangaben, am besten ich warte einfach am Terminal auf dem Bus auch wenn es den ganzen Tag lang dauern sollte.
Nach dieser Aussage hat es mir gereicht, ich habe einfach den Busfahrer angerufen und wollte wissen wo er jetzt ist und wann er endlich ankommen wird. Als dieser mir jedoch gesagt hat, dass er erst am nächsten Tag nach KL kommt, bin ich fast ausgeflippt. Ich konnte als nichts anderes tun als am Busterminal zu warten, obwohl ich bereits 5 Stunden dort gestanden habe.
Als es schon dunkel wurde und der Bus immer noch nicht eingetroffen ist, bin ich gestresst und erschöpft zu meinem Hotel gegangen. Zu diesem Zeitpunkt war ich knapp 24 Stunden auf der Suche nach dem Rucksack.
Ich wollte am nächsten Tag meine Suche fortsetzen. Diese Nacht war natürlich alles andere als erholsam. Nach kurzem Schlaf, bin ich wieder zum Busterminal gefahren. Diesmal bin ich aber noch vorher zur Polizei gegangen, die im Busterminal eine kleine Wache hat und habe nachgefragt, ob eine Tasche abgegeben wurde. Nach einem Kommunikationsproblem mit der Polizisten, tauchten auf einmal 2 weitere Polizisten auf, die mich aufgefordert hatten in das Auto einzusteigen. Im ersten Moment wusste ich nicht so recht wie mir geschah, weil ich einfach nur nach meiner Tasche gefragt habe. Es stellte sich aber heraus, dass mich die Beamten zur Touristenpolizei hinbringen wollten, bei der ich aber schon war und auch ein Protokoll anfertigen lassen habe.
Als dieses Problem gelöst wurde, haben mich die Polizisten wieder zum Busterminal gefahren. Und diesmal sollte ich Glück haben (mehr oder weniger). Der Bus stand zur Abfahrt bereit, ich musste nur schnell hinlaufen. Ich habe dann den Bus von oben bis unten durchsucht. Das einzige was ich wiedergefunden habe war mein Sarung, der Rucksack war nicht wieder zu finden. Ich habe den Bus mehrmals durchsucht und auch die Passagiere aufgefordert ihre Beine anzuziehen, damit ich auch jeden Winkel kontrollieren konnte.
Es waren bisher 2 Tage vergangen. In diesem Zeitraum könnte alles mögliche geschehen sein. Der Busfahrer selber könnte den Rucksack mitgenommen haben oder ein anderer Fahrgast hat die Tasche mitgenommen. Ich habe dem Busfahrer, dem Busunternehmen und der Polizei meine Telefonnummer und Adresse hinterlassen, falls der Rucksack wieder auftauchen sollte.
Ich hatte natürlich keine große Hoffnung und wußte auch nicht was ich bis zum Abflug nach Indonesien tun sollte. Daher wollte ich zum Mittagsgebet in eine Moschee gehen und dort die restliche Zeit verbringen.
In der Moschee habe ich dann einen netten Bruder kennengelernt, den ich angesprochen habe, weil er ein mir bekanntes T-Shirt getragen hat.
Auf diesen Vorfall mit dem Rucksack hat er mir eine einfache und klare Antwort gegeben. Eigentlich hätte ich auch selber darauf kommen können.
Allah (swt) testet einem ab und an. Und man weiß nie welche Art dieser Test sein kann. Denke ich nun an diese vergangenen Tage zurück, so fällt mir auf, dass meine Gedanken und Sorgen nur diesem Rucksack und dessen Inhalt gewidmet waren. Ich bin wie ein Irrer durch die Gegend gerannt, mit Schlafmangel, Hunger usw. Aber vor allem habe ich in dieser Zeit die Pflichtgebete völlig vernachlässigt. Vielleicht mag der Verlust auch ein Ausgleich für eine nichtgezahlte bzw. verspätete Zakat gewesen sein oder auch für zu wenig Sadaqa. Wa Allahu alim.
Jedenfalls kann ich im Nachhinein sagen, dass ich mich extrem bemüht habe diesen Rucksack wieder zu bekommen, aber wenn es nicht sein sollte, so soll es eben nicht sein. Daher bringen auch Gedankenspiele wie: „was wäre wenn“ oder „hätte ich doch“ oder „wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, dann…“ absolut nichts.
Aus diesem Grunde soll man auch lieber sagen khair inschaAllah.
Natürlich soll das nicht heißen, dass man zukünftig genau so verfahren soll, aber wenn man sich bei bestem Willen um eine Sache bemüht aber dennoch nicht eintritt, so ist das kein Grund zum Verzweifeln.
Mit dieser Einsicht konnte ich die restlichen Tage in KL verbringen und mich von Selbstzweifeln frei machen.
Jetzt bin ich wieder in Indonesien und habe nur noch einen Monat vor mir inschaAllah.
Fortsetzung folgt iA….
Schlagworte: Kuala Lumpur, Langkawi, Malaysia, Singapur